Krautfäule bei Kartoffeln: Symptome erkennen, richtig spritzen und Braunfäule an der Knolle vermeiden
Es war einer dieser Julisommer, in denen es im Ausserfern tagelang nicht aufhören wollte zu regnen. Bei meiner Tante in Pflach standen die Kartoffeln im Hausgarten an einem Montag noch dunkelgrün da, am Freitag sah das Kraut aus wie verbrüht. Am Ende waren auch die Knollen braun und fleckig. Wer das einmal erlebt hat, vergisst es nicht: Krautfäule bei Kartoffeln, fachlich Kraut- und Knollenfäule, ist die gefährlichste Kartoffelkrankheit in feuchten Jahren. Verursacht wird sie durch den Erreger Phytophthora infestans, betroffen sind Blätter, Stängel und Knollen. Dieser Beitrag zeigt, woran Sie den Befall erkennen, welche Spritzmittel wann infrage kommen, was im Bio-Anbau gilt und wie Sie die Braunfäule an der Knolle vermeiden.
Krautfäule bei Kartoffeln erkennen: Symptome an Blatt, Stängel und Knolle
Im Alltag hat dieselbe Krankheit viele Namen: Kartoffelfäule, Kartoffelkrautfäule, Blattfäule, Kartoffelbraunfäule. Gemeint ist immer der Befall durch Phytophthora infestans. Am Blatt und Stängel spricht man von Krautfäule, an der Knolle von Braunfäule. Die Beschreibung folgt dem Pflanzendoktor von Ökolandbau.de (BLE) und der Diagnosehilfe der LfL Bayern, die auch Bilder zeigt.
Am Blatt
Bei feuchtem Wetter erscheinen gelblich-grüne Flecken, die sich in kurzer Zeit dunkel verfärben. Sie sind zuerst wasserdurchtränkt und vom gesunden Gewebe nur unscharf abgegrenzt, später werden sie braun und trocknen aus. Das sicherste Zeichen sitzt auf der Blattunterseite: ein grauweißer Pilzrasen am Rand zwischen gesundem und abgestorbenem Gewebe. Bei Trockenheit verschwindet er wieder, deshalb am besten morgens nach Tau kontrollieren.
Am Stängel
Befallene Stängelteile verfärben sich dunkelbraun, auch dort kann sich weißer Pilzrasen bilden. Kontrollieren Sie besonders die feuchten Ecken des Feldes, Senken und Ränder neben Hecken.
An der Knolle: Braunfäule
Befallene Knollen zeigen außen unregelmäßige, bleigraue Flecken, die später leicht einsinken. Darunter ist das Gewebe fest und braun, ohne klare Grenze zum gesunden Teil. Solche Knollen werden oft zusätzlich von Nass- oder Trockenfäule befallen und verderben dann im Lager.
Krautfäule oder Dürrfleckenkrankheit? Die Unterschiede
Die Dürrfleckenkrankheit (Alternaria solani) sieht auf den ersten Blick ähnlich aus. Ein genauer Blick auf den Fleckenrand reicht meist zur Unterscheidung:
| Merkmal | Krautfäule | Dürrfleckenkrankheit |
|---|---|---|
| Blattflecken | Wasserdurchtränkt, unscharf begrenzt, später braun | Scharf begrenzt, rund, mit konzentrischen Ringen |
| Blattunterseite | Grauweißer Pilzrasen am Fleckenrand | Kein Pilzrasen, ab Juni auf älteren Blättern |
| Knolle außen | Bleigraue, unregelmäßige Flecken | Eingesunkene Flecken auf der Schale |
| Knolle innen | Festes braunes Gewebe ohne Grenze | Bräunlich-schwarz, scharf abgegrenzt, wenige Millimeter tief |
Nicht jede Welke ist Krautfäule. Welken die Pflanzen schon im Juni, rollen sich die oberen Blätter ein und lassen sich die Triebe leicht herausziehen, steckt Schwarzbeinigkeit dahinter. Eine weiche, modrig riechende Knolle deutet auf Knollennassfäule. Gegen beide Bakterienkrankheiten gibt es keine gezielte Bekämpfung.
Wetter und Infektionsdruck: Wann Krautfäule droht
Der Erreger überwintert unsichtbar in infizierten Knollen. Treiben sie im Frühjahr aus, wächst der Pilz im Stängel nach oben. Hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 10 und 23 Grad begünstigen ihn. Für die Infektion der Blätter ist es optimal, wenn sie mindestens vier Stunden nass bleiben und die Temperatur zwischen 15 und 20 Grad liegt. Wind und Regenspritzer verteilen die Sporen dann im ganzen Bestand.
Besonders gefährdet sind schwere Lehmböden und grundwassernahe Standorte in regenreichen Gebieten: Bei hoher Bodenfeuchte werden Sporen mit dem Bodenwasser verteilt und infizieren Pflanzen schon im Boden. Leichte Böden leiten das Wasser schneller ab, dort ist das Risiko eines frühen Befalls deutlich geringer. Das passt zu dem, was man im Ausserfern beobachtet: Nach einem verregneten Frühsommer kommt die Krautfäule früh und heftig.
Krautfäule Kartoffeln: Spritzmittel und der richtige Spritzstart
Die wichtigste Regel nach der LfL-Strategie gegen Krautfäule: vorbeugend spritzen. Der Fungizidschutz beginnt idealerweise 7 bis 12 Tage vor dem ersten Auftreten auf dem Schlag. Lokal- und teilsystemische Mittel wirken zwar auch kurativ, stoppen aber nur eine Infektion, die höchstens 48 Stunden alt ist.
| Situation | Geeignete Mittelgruppe |
|---|---|
| Schwere Böden, hohe Bodenfeuchte, Spritzstart | Systemische Fungizide, die den Pilz im Stängel erfassen (die LfL nennt Infinito, Rival Duo, Zorvec Entecta) |
| Leichte Standorte, trockenes Frühjahr | Kontaktmittel zum Spritzstart |
| Starkes Krautwachstum, hoher Infektionsdruck | Lokal- bzw. teilsystemische Mittel |
| Ende der Vegetation | Mittel mit Schwerpunkt Knollenschutz |
Bleibt der Boden nach dem Spritzstart nass, kann auch die zweite Behandlung ein systemisches Mittel erfordern. Vor jeder Anwendung gilt § 12 Pflanzenschutzgesetz: Das Mittel muss zugelassen sein, und es darf nur in der zugelassenen Kultur, gegen den zugelassenen Schaderreger und nach den gültigen Anwendungsbestimmungen eingesetzt werden. Prüfen Sie das für Ihr Präparat in der Online-Datenbank des BVL.
Kartoffelkäfer und Krautfäule: zwei getrennte Behandlungen
Krautfäule ist eine Pilzkrankheit, der Kartoffelkäfer ein Insekt. Ein Fungizid wirkt nicht gegen den Käfer, ein Insektizid nicht gegen den Pilz. Wer beides im Bestand hat, braucht zwei passende Mittel und dokumentiert zwei getrennte Behandlungen.
Krautfäule bei Bio-Kartoffeln: Kupfer richtig einsetzen
Im ökologischen Anbau sind vor allem Kupferpräparate auf Basis von Kupferhydroxid und Kupferoxychlorid zugelassen. Kupfer ist ein Kontaktfungizid: Es schützt nur vorbeugend vor neuen Infektionen und bekämpft einen etablierten Befall nicht. Für die Dosierung nennt Ökolandbau.de diese Richtwerte:
- Anfällige Sorten: ab Befallsbeginn 500 bis 800 g Reinkupfer pro Hektar.
- Resistente Sorten: späterer Beginn, Belag von 250 g Reinkupfer pro Hektar.
- Höchstens 3 kg Reinkupfer pro Hektar und Jahr; manche Anbauverbände erlauben Kupfer nicht oder nur mit Ausnahmegenehmigung.
- Bei feuchtwarmem Wetter gegebenenfalls wöchentlich und nach Regen nachlegen, bei Trockenheit seltener.
Bei leichtem Befall oder im Wechsel mit Kupfer kommen Mittel auf Basis von COS-OGA, Orangenöl oder Pythium oligandrum infrage. Bei sehr hohem Befall von 40 bis 60 Prozent Blattverlust wird nicht weiter behandelt, sondern der Bestand abgeflammt, damit die Sporen nicht auf die Knollen übergehen.
Vorbeugen: Pflanzgut, Standort, Sorte
Gesundes Pflanzgut, keine Kartoffelabfälle und kein Durchwuchs in Feldnähe, mindestens 75 Zentimeter Reihenabstand für gute Durchlüftung und windoffene Lagen senken den Druck deutlich. Vorkeimen und frühes Pflanzen nutzen die Zeit bis zum Krautfäulebeginn für die Ertragsbildung. Bei der Sortenwahl hilft die Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamts: Je niedriger die Note für Krautfäule-Anfälligkeit, desto besser. 2025 erhielt die mittelfrühe Speisesorte Tamina die Bestnote 2, Heidemarie, Mariola, Melia und Alanis die Note 3.
Braunfäule bei Kartoffeln vermeiden: die Ernte entscheidet
Die größte Gefahr für Knolleninfektionen besteht bei der Ernte. Sporen werden gebildet, solange grünes Kraut steht, gelangen mit Regen in den Boden und bleiben dort etwa drei Wochen infektionsfähig. Die Knollen stecken sich meist beim Roden an, wenn verletzte oder nicht schalenfeste Knollen mit infizierter Erde in Berührung kommen. Das hilft:
- Voluminöse Dämme mit steilen Flanken anlegen.
- Frühestens zwei Wochen nach dem Absterben des Krauts ernten.
- Nur schalenfeste Knollen bei abgetrocknetem Boden und mindestens 10 Grad Bodentemperatur roden.
- Faule Knollen schon am Roder aussortieren.
- Trocken einlagern und durch Belüftung schnell abtrocknen.
Jede Spritzung gegen Krautfäule dokumentieren
In einem nassen Jahr kommen schnell sechs, acht oder mehr Behandlungen zusammen, mal systemisch, mal Kontakt, dazu der Käfer. In Deutschland muss jede davon mit Datum, Mittel, Zulassungsnummer, Aufwandmenge, Fläche, Kultur und anwendender Person aufgezeichnet werden, ab 2027 elektronisch. Bei der Krautfäule kommt etwas dazu, das man später oft bereut, nicht notiert zu haben: das Wetter. War das Blatt beim Spritzen trocken? Hat es zwei Stunden danach geregnet? Davon hängt ab, ob der Belag gehalten hat.
Genau dafür gibt es Leafwrit, das digitale Spritztagebuch. Sie tragen die Behandlung in einer Minute ein, das Mittel kommt mit Zulassungsnummer aus dem BVL-Register, und Leafwrit erfasst automatisch das Wetter zur Stunde der Behandlung. Die nächste Krautfäulespritzung wiederholen Sie mit drei Fingertipps, die Mittelmenge für den Tank wird berechnet. Am Saisonende liegt das Spritztagebuch nach der JKI-Vorlage als Excel, CSV und PDF bereit. Die ersten 20 Behandlungen sind kostenlos, das reicht für eine komplette Krautfäule-Saison im Spritztagebuch.
Was ab 2026 und 2027 genau in die Aufzeichnung gehört, steht in unserem Beitrag zur Pflanzenschutz-Dokumentation 2026. Wer für die Spritzungen selbst einen Sachkundenachweis Pflanzenschutz braucht, findet dort Fristen und Fortbildungen.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich Krautfäule an Kartoffeln?
An wasserdurchtränkten, unscharf begrenzten Blattflecken, die schnell braun werden, und vor allem am grauweißen Pilzrasen auf der Blattunterseite. Am Stängel zeigen sich dunkelbraune Stellen, an der Knolle bleigraue Flecken mit festem braunem Gewebe darunter.
Wann muss man gegen Krautfäule spritzen?
Vorbeugend, idealerweise 7 bis 12 Tage vor dem ersten Auftreten auf dem Schlag. Den Termin liefern Warndienst und Prognosemodelle wie das LfL-Monitoring oder SIMPHYT, ergänzt durch eigene Bestandskontrollen.
Welches Spritzmittel hilft gegen Krautfäule bei Kartoffeln?
Das hängt von Standort und Befallsdruck ab: auf schweren, nassen Böden zum Start systemische Fungizide, auf leichten Böden bei trockenem Frühjahr Kontaktmittel, bei hohem Druck lokal- oder teilsystemische Mittel, zum Schluss Knollenschutz. Das konkrete Mittel muss für Kartoffeln gegen Krautfäule zugelassen sein.
Was hilft biologisch gegen Krautfäule?
Im Öko-Anbau vor allem Kupferpräparate, höchstens 3 kg Reinkupfer pro Hektar und Jahr. Bei leichtem Befall kommen Mittel auf Basis von COS-OGA, Orangenöl oder Pythium oligandrum infrage, dazu Vorbeugung über Sorte, Pflanzgut und Standort.
Kann man Kartoffeln mit Braunfäule einlagern?
Befallene Knollen sind nicht lagerfähig, weil sie oft zusätzlich von Nass- oder Trockenfäule befallen werden. Sortieren Sie sie schon bei der Ernte aus und lagern Sie nur gesunde, trockene Knollen ein.
- Ökolandbau.de (BLE): Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel
- LfL Bayern: Richtige Strategie gegen Krautfäule in Kartoffeln
- LfL Bayern: Kartoffelkrankheiten, Diagnosehilfe
- LfL Bayern: Monitoring Krautfäule der Kartoffel 2026
- LfL Bayern: SIMPHYT III und Folgebehandlungen
- Bundessortenamt: Beschreibende Sortenliste Kartoffel 2025
