KLOSTERPFARRE St. ANNA
A – 6600 REUTTE in TIROL
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Betreff:
Artikel für „CHRISTEN UNTERWEGS“ der Nummer vom 30. Juni 2005
„Du wagst
dein JA - und erlebst einen Sinn.
„Du
wiederholst dein JA – und alles bekommt Sinn.
Wenn alles
Sinn hat, wie kannst du anderes leben
als ein
JA.“
Dag
Hammarskjöld 1905
– 1961
„Es ist doch alles so sinnlos.“ Diese Feststellung eines jungen Menschen hat mir zu denken gegeben. Zur heiligen Messe heute morgen haben wir gesungen:„Hilf Herr, meines Lebens, dass ich nicht vergebens hier auf Erden bin.“ Viele erleben eine Vergeblichkeit in ihrem Leben, die bedenklich ist. Viele können nicht JA sagen: Nicht JA zu ihrem Alltag, nicht JA zu ihrer Familie, nicht JA zu ihrem Beruf, nicht JA zu sich selbst, nicht JA zu ihrem Leben. „Du lebst nicht, um auf den Tod zu warten, sondern um das Leben zu genießen.“ Das war der kurze Kommentar eines Schülers auf die oben erwähnte Feststellung. Was aber hindert so viele Menschen, was hindert auch uns selber oft und oft daran, das Leben zu genießen, es als wunderbares Geschenk täglich dankbar anzunehmen? Was führt so viele dazu sich selber und anderen das Leben unnötig schwer zu machen? In unserem Klostergarten erleben wir zur Zeit das Wunder üppigen Wachsens und die Freude über zehn Entenküken. (siehe Bild) Franziskus hat das Geheimnis des einfachen Lebens entdeckt und gelebt: Einfach leben ohne die Zwänge, haben zu müssen, gelten zu müssen, erreichen zu müssen. Wo kann ich die Lebensrhythmen abbauen, die mich unzufrieden, krank und hektisch machen? Wo sind in meinem Arbeitsalltag jene inneren Antreiber, die mich unter Druck setzen? Wo tue ich mir Gutes und gönne mir eine Lebensweise, die mich gesund erhält? Wo beginne ich zu ahnen, dass es mehr gibt in meinem Leben als nur mich? Der Tod öffnet uns alle für Gottes Wirklichkeit, die uns umgibt wie die Luft, die wir atmen. Bald erreiche ich mein sechzigstes Lebensjahr. Inzwischen ist die Zahl der Menschen, die mir nahe standen, die ich gut kannte und die gestorben sind, weit höher als die, die ich heute kenne. Das gilt auch schon für meine sieben Jahre in Reutte. Angesichts manch überraschenden Todesfalls kann ich nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und mich von Terminen und Verpflichtungen so in Angriff nehmen lassen, dass sie mir den Blick auf das Wesentliche verstellen. Für unseren Glauben gilt: Gott muss fern sein von unseren Vorstellungen, damit er sich neu zeigen kann. Er wird zum abwesenden Gott. Abbas Sisoes sprach. „Suche Gott, aber frage nicht, wo er wohnt.“
Die Abwesenheit eines Menschen ist nicht mit dessen Verlust und Nichtexistenz gleichzusetzen. Wenn ich in der Abwesenheit eines anderen Menschen auf ihn baue, dann lerne ich es, ihm tief zu vertrauen. Ich lerne eine andere Form von Nähe, wenn ein geliebter Mensch lange fort ist. Die Gedanken sind ihm nahe, mein Herz schlägt weiterhin für ihn. So ist auch die Abwesenheit Gottes nicht mit dem Verlust oder seiner Nichtexistenz gleichzusetzen. Christus bleibt unter uns, um uns selber zu verantwortlichen und mutigen Entscheidungen zu führen. Für die Tage des Urlaubs und der Ferien, die jetzt viele vor sich haben, möchte ich dir diesen Segenswunsch mitgeben:
Der Herr segne dich. Er mache dich frei von allem „du musst“ und „man tut“, von den Erwartungen anderer. Er gebe dir den Mut, deinen eigenen Weg zu gehen. Offene Augen und Ohren schenke dir Gott, dass du seine Wunder jeden Tag erkennst in all den wunderbaren Dingen des Alltags. Segnend möge er dir nahe sein, damit du reifen kannst und JA sagen kannst zu deinem Leben.
Bruder Werner St. Anna Reutte
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