Hängebrücke Holzgau Rundweg: Lechweg schwindelfrei

Von Thomas Berger · 14. März 2026

An einem Septembermorgen stand ich zum ersten Mal auf der Hängebrücke Holzgau und griff instinktiv nach dem Stahlseil. Unter mir öffnete sich das Höhenbachtal wie eine geologische Wunde – 110 Meter tief, durchzogen vom silbernen Faden des Höhenbachs. Die Brücke schwankte leicht. Gerade genug, um den Puls zu beschleunigen. Was als gemütliche Nachmittagswanderung begonnen hatte, wurde zu einem jener Momente, die man im Ausserfern nicht so schnell vergisst. Der Hängebrücke Holzgau Rundweg gehört zu den eindrucksvollsten kurzen Wanderungen im gesamten Lechtal – und er ist leichter zu bewältigen, als viele vermuten.

Eine Brücke, die Geschichte schrieb

Die Holzgauer Hängebrücke wurde 2012 eröffnet. Sie überspannt das Höhenbachtal auf einer Länge von rund 200 Metern. Laut Angaben der Tourismusregion Lechtal zählt sie damit zu den längsten frei zugänglichen Fußgänger-Hängebrücken Österreichs. Sie ist Teil des Lechwegs, jenes 125 Kilometer langen Fernwanderwegs, der vom Formarinsee bis zum Lechfall bei Füssen führt. Doch man muss kein Weitwanderer sein, um dieses Bauwerk zu erleben.

Der Steg besteht aus einem Gitterrost-Boden. Man sieht direkt in die Tiefe. Das klingt dramatischer, als es ist. Die Konstruktion ist stabil, die Sicherung durch hüfthohe Stahlseile solide. Kinder ab etwa sechs Jahren bewältigen die Querung in der Regel problemlos, sofern sie an der Hand eines Erwachsenen gehen. Wer allerdings unter echter Höhenangst leidet, sollte sich die Entscheidung ehrlich überlegen. Die Brücke verzeiht keine Selbstüberschätzung.

Was mich persönlich am meisten beeindruckt hat: die Stille auf der Brücke. Kein Motorenlärm. Kein Handyklingeln. Nur Wind und das ferne Rauschen des Wasserfalls – ein akustisches Vakuum, das man in dieser Form selten findet.

Der Hängebrücke Holzgau Rundweg im Detail

Der klassische Hängebrücke Holzgau Rundweg startet im Ortszentrum von Holzgau und führt zunächst moderat ansteigend durch Waldstücke zum Einstieg der Hängebrücke. Die gesamte Strecke umfasst je nach gewählter Variante zwischen fünf und sieben Kilometer. Reine Gehzeit: etwa zwei bis zweieinhalb Stunden. Der Höhenunterschied beträgt rund 250 Meter, was die Tour als mittelschwer einstuft – auch für Familien mit fitteren Kindern gut geeignet.

Nach der Brückenquerung geht es weiter zum Simms-Wasserfall, einem der höchsten Wasserfälle Tirols mit einer Fallhöhe von 27 Metern. Beeindruckend. Von dort führt der Weg über den sogenannten Geierwally-Weg zurück nach Holzgau. Dieser Abschnitt bietet immer wieder Ausblicke auf die Lechtaler Alpen, die selbst bei bedecktem Himmel beeindrucken. Die Luft riecht nach Harz und feuchtem Stein. Man hört die eigenen Schritte.

Die Beschilderung entlang der Route ist vorbildlich. Verlaufen? Nahezu unmöglich. Festes Schuhwerk mit Profilsohle ist dennoch Pflicht, besonders nach Regenfällen, wenn einzelne Passagen rutschig werden können. Der Hängebrücke Holzgau Rundweg eignet sich von Mitte Mai bis Ende Oktober, abhängig von der Schneelage. Im Frühsommer begleitet Schmelzwasser die gesamte Strecke mit einem konstanten Rauschen.

Wer nach der Wanderung noch Energie hat, findet im Ausserfern zahlreiche weitere Möglichkeiten, die Region zu erkunden – von Wintersport und Schneeschuhtouren bis hin zu kulturellen Erlebnissen rund um Tiroler Brauchtum und Traditionen.

Praktische Tipps: Parken, Anreise und Zeitplanung

Die Frage nach dem Parken beschäftigt viele Besucher. Direkt in Holzgau stehen kostenfreie Parkplätze zur Verfügung, unter anderem am Gemeindehaus und beim Schwimmbad. An Wochenenden im Hochsommer kann es eng werden. Sehr eng. Wer vor neun Uhr morgens ankommt, findet in der Regel problemlos einen Platz. Wer gegen Mittag anreist, riskiert einen langen Fußweg noch vor dem eigentlichen Start.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen Sie Holzgau über die Buslinie 260 von Reutte aus. Die Fahrt dauert etwa 45 Minuten und führt durch das gesamte Lechtal – an sich schon eine Reise wert. Laut Daten der Tirol Werbung verzeichnet die Region Lechtal steigende Besucherzahlen, besonders seit der Lechweg als einer der schönsten Weitwanderwege der Alpen gilt. Der Andrang ist real – entsprechend früh sollte man planen.

Meine Empfehlung für den Hängebrücke Holzgau Rundweg: Planen Sie den Besuch an einem Wochentag, idealerweise am frühen Vormittag. Dann haben Sie die Brücke oft fast für sich allein. Nehmen Sie ausreichend Wasser mit, denn Einkehrmöglichkeiten gibt es erst wieder im Tal. Unterschätzen Sie den Rückweg nicht. Der Abstieg über den Geierwally-Weg verlangt den Knien einiges ab – Wanderstöcke zahlen sich aus.

Gibt es einen besseren Weg, das Lechtal kennenzulernen? Kaum. Der Hängebrücke Holzgau Rundweg verbindet Naturerlebnis, moderaten Anspruch und jenen leisen Nervenkitzel, der eine Wanderung von einem bloßen Spaziergang unterscheidet. Seit 2012 hat diese Brücke Zehntausende Besucher über das Höhenbachtal getragen. Jeder einzelne dürfte mit einem etwas breiteren Lächeln zurückgekehrt sein.